Plaue in Brandenburg an der Havel

Eine alte Stadt mit einem Schloss in einmaliger Lage

29.03.2009 Harald Rossa

Plaue liegt an der Havel und mitten in einer ausgedehnten Seenplatte. Wald und Heide locken, der Naturpark Westhavelland bietet eine einmalige Flusslandschaft.

Plaue ist seit 1952 ein Ortsteil der Stadt Brandenburg an der Havel. Über viele Jahrhunderte war der Ort eine selbstständige Stadt, die 1197 gegründet wurde. Sie liegt am Plauer See und die Fischerei war bis in die Neuzeit ein wichtiger Erwerbszweig im Ort.

Die etwa 2.700 Bewohner von Plaue setzen auf eine touristische Entwicklung des Ortes. Die besondere Lage an der Havel, dem Plauer See und dem Wendsee inmitten einer ausgedehnten Seen-, Wald- und Heidelandschaft bietet ungeheure Erholungsangebote. Ausgedehnte Touren auf Seen und der Havel, mit dem Rad oder per Pedes sind von Plaue aus zu starten. Der nahe Naturpark Westhavelland bietet eine einmalige Flusslandschaft.

Die Plauer Fischer gibt es immer noch. Es gehen zwar nicht mehr viele diesem Gewerbe nach. Doch immer noch halten sie und die Plauer Gastronomen Spezialitäten mit Havelfisch bereit. Und zur Erbauung der Bürger und ihrer Gäste gibt es festliche Veranstaltungen: Angebote wie den Plauer Fischerjakobi, das Maifeuer und den Nikolausmarkt.

Das Plauer Schloss

Das Plauer Schloss ist eine Dreiflügelanlage aus dem frühen 18. Jahrhundert. Das Corps de Logis liegt direkt am Ufer der Havel. Der Plauer Gutsherr und preußische Minister Friedrich von Görne hat es zwischen 1711 und 1716 auf den Resten der alten Burg bauen lassen. Im 19. Jahrhundert ist das Schloss von dem Grafen von Königsmarck neobarock verschönert worden. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss erheblich beschädigt und Plünderungen nach dem Krieg vernichteten weitere Kunstschätze. Umbauten nach 1945, das Schloss wurde als Verwaltungsschule genutzt, führten zum nahezu vollständigen Verlust der historischen Innenarchitektur. Aber noch immer hat Schloss Plaue als bedeutendster adliger Schlossbau aus dem frühen 18. Jahrhundert in Westbrandenburg bis heute eine hohe kulturgeschichtliche Bedeutung.

Prominente Besucher auf dem Schloss Plaue waren der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. und der russische Zar Peter I. auf seinen Europareisen. Und natürlich Theodor Fontane. In seinem Band „Fünf Schlösser“ seiner Reihe „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ machte er Plaue weit über die Grenzen der Mark Brandenburg hinaus bekannt.

Auch wenn sich Plaue inzwischen erheblich veränderte, so können doch die vom Dichter beschriebenen Plätze noch heute besucht werden. Der Plauer Fontaneweg lädt zur Spurensuche. Dies ist ein kurzer kulturgeschichtlicher Wanderweg, der die besondere Wasser- und Waldlage von Plaue erlebbar macht. Vom Parkplatz in der Stadtmitte geht es über die Hauptstraße auf die Alte Havelbrücke. Die bietet einen schönen Ausblick auf die Havel im Norden und den Plauer See im Süden sowie auf die Seeseite von Schloss und Schlosspark. Am Schloss vorbei führt der Weg in den großen Landschaftspark und schließlich zur Kirche.

Die Plauer Kirche

Die Plauer Kirche ist ein romanischer Backsteinbau. Sie entstand in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Eine Besonderheit ist der vom Hauptbau getrennt stehende Turm. In der Kirche gibt es mittelalterliche Malereien und eine wertvolle Innenausstattung. Die Orgel stammt von 1793. Ihr Erbauer war der Orgelbaumeister Grüneberg. Auf dem nahen Friedhof gibt es ein aufwendig gestaltetes Kriegerdenkmal, Grabdenkmäler von Angehörigen der ehemaligen Stadtherren und künstlerisch wertvolle Gräber alter Plauer Bürgergeschlechter.

Hier bei Plaue verlässt die Havel den Plauer See und fließt durch eine enge Stelle gen Norden in Richtung Havelberg. Hier wurden immer die Brücken über den Fluss geschlagen.

Die Alte Havelbrücke

Die Alte Havelbrücke wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts errichtet. Am 15. Oktober 1904 wurde sie eingeweiht. Nach einer Sprengung am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde sie wieder aufgebaut. Bis 2002 musste diese Brücke den Durchgangsverkehr auf der Bundesstraße 1 ertragen. Dann wurde eine neue Straßenbrücke über die Havel frei gegeben. Die Alte Havelbrücke wird heute vor allem von Wanderern und Radfahrern genutzt. Das denkmalgeschützte Stahlbauwerk ist 130 Meter lang und 10,70 Meter breit. Sie ist eine der wenigen noch erhaltenen Stahlfachwerkbrücken in der wasserreichen Region des Havellandes. Die charakteristischen Halbparabelträger und das Geländer in Formen des Jugendstils gibt dieser Brücke eine besondere kunstgeschichtliche Bedeutung.

Die Gartenstadt

Die denkmalgeschützte Gartenstadt Plaue wurde 1916/17 nach Entwürfen des Architekten Paul Schmitthenner für die Arbeiter der Pulverfabrik im benachbarten Kirchmöser errichtet. Die große Siedlung ist sehr naturverbunden in einem besonderen neobarocken Stil angelegt. Sie ist ein Beispiel für die Gartenstadtbewegung im Land Brandenburg.

Die Fischereiausstellung

Die Fischereiausstellung in Plaue zeigt Aspekte der Arbeit und des Lebens der Fischer um 1900. Die hier ausgestellten Geräte dokumentieren die Geschichte der Fischerei. Und die große Reuse in der Mitte des Saales zeigt auch ein Stück der Gegenwart der Plauer Fischerei.

Der Nachbarort Kirchmöser

In direkter Nachbarschaft von Plaue entstand für den Munitionsbedarf im Ersten Weltkrieg die Pulverfabrik Kirchmöser. Das riesige Gelände wurde später vor allem von der Bahn und durch die Rote Armee genutzt. Heute verwandelt es sich wieder in einen leistungsfähigen Industriestandort, der die besonderen Aspekte seiner Vergangenheit pflegt. Ein Industrielehrpfad führt zu den wichtigen Bauten im Areal und in einem ehemaligen Torhaus berichtet eine Ausstellung über die Geschichte dieses Ortes.

Die Geschichte der Stadt Plaue

Die besondere Lage der Stadt führte zu Verwicklungen.

Lesen Sie mehr über die „Geschichte der Stadt Plaue an der Havel

Lage und Anreise

Der Ortsteil Plaue der Stadt Brandenburg an der Havel liegt im Westen des Stadtgebietes an der Bundesstraße 1 in Richtung Magdeburg.

Eine Anreise mit der Bahn ist über Brandenburg Hauptbahnhof und eine Weiterfahrt mit einem Bus über Plaue nach Kirchmöser möglich. Wer gern läuft oder sein Rad dabei hat, der ist mit dem Bahnhof Kirchmöser gut beraten. Von dort sind es nur wenige Kilometer bis Plaue und zum hier durchführenden Havel-Radweg.

Der Artikel Plaue in Brandenburg an der Havel in Deutschland-Reisen unterliegt dem Urheberrecht. Jegliche Verwendung dieses Textes, auch auszugsweise, erfordert die vorherige schriftliche Erlaubnis des Autors. Autor des Artikels Plaue in Brandenburg an der Havel ist Harald Rossa.
;